Donnerstag, 1. Februar 2018

Marios Bericht vom Folk Club Nr. # 87 im Januar 2018

True Grit – hääh?

Der 87. Folkclub fing schon damit an, dass ein gewisses Rätselraten über das Motto einsetzte. Von den native Speakern mit „echter Mum“ oder „echter Schneid“ übersetzt, wurde deutlich, dass auf alle Fälle, die Menschen und Dinge besungen werden sollten, die etwas speziell sind und mindestens ein gewisses Selbstvertrauen bedürfen, um das Spezielle auch darzustellen und zu leben – natürlich schließt das Mut und Zivilcourage mit ein.
Wie immer bedeutet es ein wenig True Grit sich einer sorglosen Unterhaltung hinzugeben, obwohl jeder weiß, aus dieser, durch den Begrüßungsruf des Masters of FCB John Harrison, unsanft herausgerissen zu werden.

John blieb natürlich wie gewohnt auch gleich auf der Bühne (die ja bekanntlich im Folkclub auf Augenhöhe mit dem Publikum ist) und begann den musikalisch, lyrischn Teil des Abends mit seinem Vortrag. Zuerst gab er ein a cappella Stück mit dem wohlklingenden Namen "Marstons Pedigree" zum Besten. Ein wohlklingendes Versprechen auf einen Wohlgeschmack, denn es ist der Name von einem Bier aus Burton-on-Trent - der Geburtsstadt des Masters. Den Wohlgeschmack sah man John nicht nur an dem getragenen T-shirt (mit eben der Werbeaufschrift des Bieres), sondern auch an dem darunter verborgenen Körper an :-). Mit "I Got Ramblin'" von Robert Johnson ging es weiter, diesmal gesungen zur good old Guild Gitarre. Das folgende Lied „The King of Rome“ beschrieb nicht etwa ein dem Kaiser Konkurrenz machenden Menschen, sondern eine Taube, die durch einen Irrtum ihrer eigenen Navigation (sie umflog einen Sturm, in dem alle Konkurrentinnen umkamen) Siegerin eines Taubenwettfluges wurde. Seinen Auftritt beschloss John mit dem Lied „All by Myself“, welches laut Johns Erklärung zwar lange vor der Existenz der Beatles geschrieben wurde, aber eigentlich das Gegenteil von With a little Help from Friends sei. Na auf jeden Fall ist es ein Lied, das gut eine Mundhormonika Begleitung gebrauchen kann, und deshalb kam Christoph Thiebes auf die Bühne und begleitete John. So sangen sozusagen zwei Nachtwächter über ihre Kunst alles alleine zu machen (Christoph und John entführen beide die Menschen regelmäßig als Bonner Nachtwächter in das 17te Jahrhundert von Bonn).

Den Anschluss an John bildete das Duo Bob (Marabito)&Steve (Perry). Mit einer Collage aus „Blue Moon“ und Blue Suede Shoes“ entführten die Beiden auch schaupielerisch gekonnt in eine Welt der Romantik. John Hurd zeigte erneut, dass sein vor Jahren aufgebrachter Mut seine künstlerische Betätigung vom Fotografieren auch auf die öffentliche Interpretation von Folk- und folkig vorgetragenen Rocksongs auszuweiten, sich gelohnt hat. John gewinnt nicht nur ständig an Sicherheit und Ausdrucksstärke, sondern auch an treuen Fans. Mit dem Song „Irene Wild“ zeigte er, was mit Gitarre und Stimme aus dem Ian Hunter Song gemacht werden kann. Nicht nur als alter Bekannter, sondern als mahnender Barde sang Gerd Schinkel über den Wahnsinn der Zerstörung des Kuturdenkmal „Dom von Immenrath“. Bereits zwei Tage späte wurde dieser Dom endgültig gesprengt um dem Braunkohleabbau Platz zu machen.

Sparkling Light kam diesmal neben den bekannten Klängen aus Gitarre und Kontrabass auch mit Saxophonklängen daher. Zwar nicht aus einem echten Saxophon, sondern aus der Saxoon Flöte – eine Flöte, die einem echten Saxophon täuschend ähnlich ist. Mit ihren Liedern „Friday I'm in Love“, „50 Tips, ihn zu verlassen“, „I Go to Sleep“ und „2000 Miles“ zeigten sie erneut, das Sparkling Light zwar für eine Stilrichtung steht, aber diese in voller Breite ausnutzt und so auch bei kurzen Programmen eine große Bandbreite des Könnens präsentieren.

Nun ging's los (bitte diese Worte in dem bekannten Singsang des Karnevals oder vom Fußballplatz lesen) – die Special guests des Abend kamen und sorgten für Stimmung. Schank ist nicht nur als Name dem Wort Schänke irgendwie verwandt, sondern auch die Lieder sind Dokumente des lustigen Lebens, welches zu großen Teilen in Schänken, am Brett (Theke) oder auf großen Veranstaltungen (z.B. Karneval?) verbracht wird. „Geld vom Himmel“, wer will das nicht und so fragte auch Schank ganz verzweifelt, wann kommt der Tag, an dem das Geld vom Himmel fällt? Direkt danach berichteten sie allerdings schon wieder von der Realität „Von der Hand in den Mund“ ist wohl jedem irgendwie oder irgendwann mal bekannt geworden. Wie Schank mit diesen Voraussetzungen sich allerdings beklagen konnten „Wir trinken zu schnell“ bleibt wohl ein Geheimnis. Gar nicht geheimnisvoll dagegen war der Refrain, bei dem das Publikum begeistert mitmachte. Mit „Nostalgie“ beendete Schank den ersten Teils ihres Auftritts und entließ das Publikum in die notwendige Pause, um neue Kraft und Luft zu schöpfen, damit Schank auch bei dem zweiten Teil des Auftritts gut und laut unterstützt werden konnten. Euer Chronist erlaubt sich hier einen Sprung nach vorne zu machen und eben jenen zweiten Teil auch zu beschreiben. Mit dem Eigenlob „Ich bin gut“ ermutigte Schank alle Zuhörer sich doch einfach gut zu reden, auch wenn es manchmal so läuft, dass die Seele eher frustriert sein möchte. Einen „zumallererstenmalgecoverten“ Song brachten sie dann mit „Come on Eileen“. Da dieses Lied so unbekannt ist, sangen auch nur alle aus dem Publikum mit. Na ja, und wenn es erst mal so gut läuft, denn ist die Ansage „Wir gehen noch lange nicht schlafen“ sicher gerechtfertigt. Musikalisch dargebracht überzeugte diese auch das Publikum, weshalb auch das nächste Lied als gemeinsamer Notruf verstanden wurde. „Ich brauche jetzt ein Bier“ ist in gewissen Zeiten wahrscheinlich der häufigere Ruf als z. B. Ich brauch jetzt einen Kaffee. Jetzt zeigte Schank noch, dass die Vorbereitung auf einen Auftritt im Folkclub auch ein deutsches Volkslied einschloss - „Die Gedanken sind frei“, zwar in einer ungewohnten doch interessanten Variante war eigentlich ihr letztes Lied. Aber eigentlich ist nun mal eigentlich und deshalb schaffte das Publikum eine weitere Zugabe herauszuschlagen (oder sollte gesagt werden herauszuklatschen?), welche mit dem wohl allen bekannten „Bridge Over Troubled Water“ gegeben wurde.

Aber zurück zum Anfang nach der Pause. Wolfgang Schriefer, auch nicht zum erstenmal im Folkclub, sang „He ain't Heavy, He's my Brother“. Wolfgang hat das Lied ein wenig umgedichtet und als „He ain't Heavy, He's my Father“ seinem Vater gewidmet. Auch sein zweites Lied hat er einer ihm nahestehenden Person gewidmet – seiner Frau. Und was kann schöner sein, als der Ausspruch you are „The Air That I Brief“. Wolfgang es waren schöne Schnulzen (denn als Schnulzen hat er die Lieder angekündigt).

Es ist noch gar nicht solange her, dass ein spontaner Walk In aus Belgien den Folkclub besucht hat. Nun war es wieder soweit. Aus dem fernen Franken war Stoffl in Bad Breisig im Urlaub – wobei er selbst erstaunt fragte, wieso macht man in Bad Breisig Urlaub. Die Lösung war sehr einfach, dort wohnen seine Freunde und da diese treue Folkclubbesucher sind, kam Stoffl mit und ließ sich sogar überreden ein Lied zum Besten zu geben. Er hat hierzu eins aus seiner eigenen Feder gewählt und damit auch gleich das Publikum in die Fränkische Mundart eingeführt – für einige aus dem Publikum bereits eine Zungenbrecherleistung, die dann in Verbindung mit der erzählten Geschichte zu großer Heiterkeit beitrug „I hab di ja so gern“ ist ein Lied an die erste (und zweite ….) Liebe, also ein recyclebares Kunstwerk. Der Kommentar des Masters of Folkclub nach dem Auftitt: „Wenn wir jedes mal drei bis vier solcher Walk Ins hätten, bräuchten wir keine secial guests mehr“ - Na ja, ich kann beide gut vertragen:-).

Nun fällt es mir fast schwer weiterzuschreiben, denn über sich selbst zu schreiben ist entweder eine Lüge oder eine Offenheit, die man gar nicht zugeben möchte. Nun gut, gemeinsam mit Steve, sozusagen als Steve&Mario stürzten wir uns in das Reich der Honky Tonk Country Music. „Dim Light, Thick Smoke“ erzählt von einer Frau, die ihr Leben in Bars verbringt und wohl nie ein häuslicher Typ wird. Auch nicht wirklich häuslich sind die verfehmten „The Martins and the Coys“, die in dem gleichnamigen Lied zum Schluss sich sehr blutrünstig bekämpfen. „Cripple Creek“ ist ein Folksong mit unendliche vielen und immer neu hinzukommenden Strophen. Dem Publikum zuliebe haben wir allerdings nur eine Ausschnitt gespielt, die Instrumentenkombination war hierbei aber wohl einmalig – 5string Banjo und 9 saitige caipira Gitarre. Wenn schon mal das Banjo auf der Bühne ist, ist „Oh Susanna“ nicht weit. Als featured Artist kam hierzu auch Bob Marabito wieder auf die Bühne und zeigte, wie dieses Lied in seinem Heimatslang gesungen wird.

Wie schon berichtet kam vor dem Ende des Folkclubs noch einmal Schank – aber das könnt ihr ja weiter oben nachlesen. Den Schluss machte aber wie immer unser Patron Jock Stewart. Eine Tradition, die inzwischen alle Künstler im Folkclub genießen, heißt dies doch, zum Finale noch einmal mit vielen Mitmusikern zusammen zu musizieren.

Aber alle Begeisterung soll nicht davon ablenken, sondern eher darauf hinzeigen, dass nach dem Folkclub immer auch vor dem Folkclub ist. Also, out of the bedroom, go to Dottys am 2. Februar


Mario