Dienstag, 27. Juni 2017

Detlefs Bericht über den Folk Club Nr. 81 im Juni 2017


Folk Club Nummer 81 im Juni 2017 – Am Wasser gebaut

Die Themen, die das Organisationsteam des Folk Clubs jedem Abend auf den Weg gibt, sind mehr als Inspiration denn als Befehl gedacht. „Seen und Meere“ ist aber auch ein Thema, das in vielfältiger Weise in Liedern aufgegriffen wird. Es gab also genug Material für unsere Barden.
Eine echte Herausforderung für das Organisationsteam war aber, dass gleich zwei angekündigte „Featured Artists“ u.a. krankheitsbedingt abgesagt hatten und nun mit „Bordmitteln“ ein abendfüllendes Programm zusammengestellt werden musste. Euer Chronist kann euch versichern, es ist mehr als gelungen. Es erfüllt uns zudem mit großer Freude (und auch etwas mit Stolz), dass der Folk Club inzwischen so viele musikalische Mitstreiter mit wunderbaren Qualitäten hat und zudem meist einige Interessenten in der Warteschleife lauern, dass ein solcher Ausfall abgefedert werden kann und trotzdem ein schöner Abend gespickt mit musikalischen Edelsteinen zustande kommt.
Nun, los ging’s wie immer mit John Harrisons Urschrei und anschließend einem zünftigen Blues, der auch richtig gut zum Thema passte. Zu Jesse Fulles „San Francisco Bay Blues“ setzte John diesmal auch ein Kazoo ein, mit dem er ein formidables Solo hinlegte. Dem schrecklichen Attentat im Stadion von Manchester am 22. Mai 2017, bei dem so viele ahnungslose Jugendliche umgekommen waren, widmete er ein leidenschaftliches Gedicht gegen Fanatismus, der über Leichen geht, um seine fragwürdigen Ziele zu erreichen. Nicht minder düster war sein selbst verfasstes Lied „Flan“ über seinen Jugendfreund, der mit 15 Jahren erhängt aufgefunden worden war, und dessen Todesumstände nie aufgeklärt wurden. Der Junge war zu schnell erwachsen geworden und hatte eventuell auch Feinde. Es wird immer ein Geheimnis bleiben. Ziemlich doppeldeutig ist der Text des Blues „Candyman“ von Reverend Gary Davis. Mit der Bezeichnung kann ein Drogendealer gemeint sein, und der Sänger wünscht, ihn zu finden, weil er einen Trip braucht.
Paolo Pacifico, die musikalische Allzweckwaffe des Folk Club, hatte diesmal seinen Freund Charley Deanesi mitgebracht. Die Beiden treten zusammen als  Duo „Dos Equis“ auf. Gleich bei den ersten Tönen war der Saal gefangen von der professionellen Musik in bester Blues-Tradition. „Long Way Home“ ist eine Eigenkomposition der beiden und gibt Paolo und Charley Gelegenheit, ihre famose Beherrschung von Instrumenten und Stimmen zu zeigen. Eine kleine Anleihe bei Folkgrößen darf nicht fehlen, und so präsentieren Dos Equis ihre Version von „Big Yellow Taxi“ von Joni Mitchell. Zwei weitere Bluesstücke aus eigener Feder („That’s the Very Last Time“ und „Rainy Day Cross the Blues“) rundeten das kleine Programm ab – Großer Applaus vom Publikum. Die Beiden mussten nach ihrem Auftritt rasch weiter, um in der Godesberger Musikkneipe ELPIs CoWiCo aufzutreten. Vielen Dank an Dos Equis für ihren Einsatz und Dank auch an Lothar Prünte alias ELPI, den Wirt des CoWiCo, dass er den beiden einen Auftritt im Folk Club ermöglicht hatte. Lothar hatte auf seiner Website mitgeteilt, dass er die Zeit bis zum Erscheinen von Paolo und Charley mit eigener Musik überbrücken wolle.
Passend zum Thema des Abends hatte unser Bönnsch Plaat-Spezialist Gert Müller die Geschichte aus dem Neuen Testament gewählt, in der beschrieben wird, wie Jesus über das Wasser des Sees Genezareth wandelt und sich die Jünger fürchten. Bei der nicht ganz ernst gemeinte Gedichtversion der biblischen Geschichte seines Freundes Ferdinand Böhm konnte Gert wunderbar zeigen, dass er noch ein echter Muttersprachler ist. Die Geschichte in Böhms Version geht etwas anders aus, als wir sie aus drei Evangelien (Matthäus, Markus und Johannes) kennen. Gert bekam zum Applaus für seine herrliche Gedichtrezitation noch einen Extrabeifall für seinen achtzigsten Geburtstag, den er just an dem Tage begehen durfte.
Dass Alter kein Grund für das Stillsitzen ist bewies auch unser unermüdlicher Günter Peters, der einen kleinen Impro-Chor zusammengestellt hatte. Zu Günters Begeleitung am Klavier brachte der Chor Günters Verse zu Beethovens Chormusik zur Ode an die Freude zu Gehör – herrlich!
Der Chor ging, Günter blieb und hinzu gesellte sich Bob Marabito, der gern aus dem Fundus der amerikanischen Jazzstandards schöpft. „Can’t Give You Anything But Love“ von Jimmy McHugh und Dorothy Fields ist so ein Klassiker, bei dem Günter und Bob so richtig ihren Spaß hatten – das Publikum natürlich auch.
Melanie und Matthew waren zwei neue Gesichter im Folk Club und sogleich eine echte Entdeckung. Begleitet mit Ukulele (Melanie) und Gitarre (Matthew) sangen und spielten sie Jack Johnsons Lied „Only the Ocean in You“ – passend zum Thema. Melanies bezaubernde Stimme wurde wunderbar von Matthew begleitet, und Matthew stieg gefühlvoll bei den zweistimmigen Passagen ein. Schade, dass es nur ein Stück von den beiden zu hören gab. Vielleicht gibt es ja von Melanie und Matthew bei zukünftigen Folk Club-Abenden noch weitere Kostproben.
Einen kleinen Beitrag aus ihrer norddeutschen Heimat steuerte Jutta Mensing mit dem deftigen Lied vom „Saalhund“ bei. Damit war nicht der süße Hund gemeint, der der Musik des Abends still und andächtig lauschte (siehe Sabines Bilder). Es ging um die Seehunde, die den Nordseefischern den Fang streitig machten und daher bekämpft wurden. „Hal mi den Saalhund ut´n Stranne to Lanne! He hett mi all de Fisch upfräten, hett mi´t ganze Nett terräten. Hal mi den Saalhund ut´n Stranne to Lanne!“ lautet die erste Strophe. Ja, mit heutiger politischer Korrektheit hatten die alten Fischer noch nix am Hut. Wenn der „Saalhund“ datt ganze Nett terräten hett, dann war er dran.
Gedichte waren an diesem Abend sehr stark vertreten. Peter Deteren, auch ein Mitglied der Goove & Grufties-Truppe, die mit großem Erfolg seit Jahren die Rock ’n’ Rollator Show aufführt, trug sein Gedicht über die Liebesträume eines Klosterschülers vor – wunderbar!
Zurück zur Musik brachte uns Mario Dompke mit seinem Bärenlied. Das hatte zwar vordergründig nichts mit Seen und Meeren zu tun, aber da die Bären gern fischen, gibt es dennoch eine Verbindung zum Thema. Außerdem leben die beschriebenen Bären in Kanada, und um dahin zu kommen, muss man über den Ozean, so Mario augenzwinkernd. Nun das Lied beschreibt die Widersprüchlichkeiten, denn die bösen Bären, die die Mülltonnen leeren, müssen weg, aber gleichzeitig müssen Hunde her. Mit dem Lied „Wenn ich denn gestorben bin“ stellt Mario witzige und nachdenkliche Überlegungen über den Weg ins Jenseits an: „Freunde hört, der Tod ist nahe, denn kurz ist nur das Leben“ – phantasievoll und musikalisch wunderbar umgesetzt. Damit das Publikum auch merkt, dass es nicht zum Vergnügen da ist, steuerte Mario das Lied „Sam Stone“ von Jon Prine bei, das eindrücklich und bedrückend das Schicksal von Vietnam-Kriegsveteranen schildert. Die Männer waren vielfach traumatisiert, konnten sich nach ihrer Rückkehr nicht mehr im Alltag zurechtfinden und waren oftmals drogenabhängig. Mario wählte einen Text in deutscher Sprache, denn John Hurd, der später auftrat, hatte sich zufällig dasselbe Lied ausgesucht. So bekam das Publikum das Lied zweimal in unterschiedlicher Sprachfassung zu hören – großer Applaus für Mario.
Steve Perry und John Harrison wandten sich nach der Pause noch einmal dem Thema „Manchester“ zu. In dem von beiden abwechselnd vorgetragenen Gedicht ging es um das Selbstverständnis der so stolzen Stadt, die viel geleistet und viel zu bieten hat und deren Bewohner sich nicht unterkriegen lassen wollen und sollen – eine wunderbare Hommage an eine weltoffene und standhafte Stadt. Das Gedicht trägt den Titel „This is the Place“ und stammt von dem aus Manchester stammenden Dichter Tony Walsh alias Longfella. Das Gedicht hatte Walsh bereits 2013 verfasst und nun bei einer vielbeachteten Gedenkfeier am 23. Mai 2017 auf dem Albert-Platz in Manchester passend zu den schrecklichen Ereignissen am Vortage vorgetragen.
Eher aus der Kategorie „heitere Muse“ waren die Beiträge von Regine Perry-Mertens und Steve Perry. Mit  „Ein Schiff wird kommen“, das in Deutschland in der Interpretation von Lale Andersen in Riesenhit war (nur nannte man es damals nicht so) trafen sie das Thema auf die Zwölf, und das Publikum hatte eine wunderbare Gelegenheit zum Mitsingen. Natürlich kamen auch zwei von Steves geliebten Country-Songs an die Reihe: Ian Tysons „50 Years Ago“ ist ein echter Klassiker. Auch hier bekam das Publikum Gelegenheit, Regine und Steve beim Refrain zu unterstützen:

„And the sighing of the pines
Up here near the timberline
Makes me wish I'd done things different
Oh, but wishing don't make it so
Oh the time has passed so quick
The years all run together now
Did I hold Juanita yesterday“
 
Die Beiden setzten mit „Navajo Rug“, ebenfalls von Tyson, noch einen drauf. Kitsch pur, aber herrlich.
John Hurd, der Berichterstatter-Kollege vom englischsprachigen Musikportal 3SongsBonn wagt sich nicht allzu oft selbst auf die Bühne, hatte aber diesmal sogar drei Lieder mitgebracht. „Still in Love With You“ von Phil Lynott (Thin Lizzy) ist schon ein dicker Brocken, aber John meisterte das anspruchsvolle Stück mit wunderbarer Stimmbeherrschung und klarer, akzentuierter Gitarrenbegleitung. Auf Bongos begleitet von seinem Arbeitskollegen Juan Isaza, wagte er sich an einen weiteren Klassiker: „Tower of Song“ von Leonhard Cohen kam herrlich sonor rüber, nur bei der Zeile „I was born with a golden voice“ musste euer Chronist doch etwas schmunzeln, immerhin, auch der Sänger selbst konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Zu guter Letzt kam nochmals das traurige Lied „Sam Stone“ zur Aufführung. John Hurd holte sich dabei die zusätzliche Unterstützung von John Harrison (Mundharmonika) und Mario Dompke (Banjo). Die Vier (John Hu, Juan, John Ha und Mario) gaben dem Lied den vollen instrumentalen Begleit-Sound, so dass es einen ganz anderen Charakter bekam als zuvor allein von Mario gespielt und gesungen – dickes Lob und viel Applaus für John Hurd und natürlich auch die Begleit-Crew.
Ein inzwischen treuer Gefolgsmann des Folk Club ist Hermann-Josef Wolf alias „Fliege“ aus Köln. Fliege merkt man an, dass die Musik sein Leben bestimmt, und dass seine Intensität die Zuhörer mitreißt. Rein instrumental war Flieges bretonischer Tanz, den er mit seiner Ziehharmonika spielte. Viel Freude bereitete er mit „Ruby Tuesday“, in der Version von Melanie, das er als sein Lieblingslied bezeichnete. Das Publikum stimmte ein, und zusammen ergab es einen wunderbare Band. Herzlichen Dank an Fliege für seinen Beitrag zu diesem Abend.
Als letzte Gruppe erschienen Junodori alias Judith Nordbrock und Sergii Chernenko. Ja, was soll man sagen, eurem Berichterstatter blieb schlicht die Spucke weg. Tolle, von Judith selbstgeschriebene und komponierte jazzige Lieder, Judiths virtuoses Klavierspiel (auf unserem leider nicht perfekt gestimmten Klavier, seufz!), Judiths volle, geschmeidige und groovige Jazzstimme und dazu ein Sergii, dem man das Tenorsaxophon offenbar in die Wiege gelegt hatte. Die Beiden spielten perfekt aufeinander abgestimmt, Sergii fügte sich mit seinem Instrument organisch in Judiths Gesang und brilliert dann in seinen Solopassagen mit atemberaubenden Tonfolgen und beeindruckender Technik. Ja, und die Stücke? „Du machst mich krank!“ von Judith kommt ganz langsam daher und beschreibt dann ganz eindringlich, dass die Frau sich fürchterlich ärgert, wenn ihr Geliebter nicht auf ihre Anrufe antwortet – hat das nicht schon mancher erlebt? „My Man’s an Undertaker“ ist nicht aus eigener Feder sondern von Leroy Kirkland. Bekannt ist die Version mit der legendären Dinah Washington, doch Judith kann es mit ihr stimmlich locker aufnehmen. Beim wunderbar melancholischen Stück aus eigener Produktion „Up to You“ begleitete Sergii mit der Querflöte, die er ebenso perfekt beherrscht wie das Saxophon – ein Genuss. „I Won’t Wait“ stammt ebenfalls von Judith. Auch hier brilliert Sergii und entlockt seinem Saxophon schlagzeugartige Perkussions-Elemente – genial. Der Applaus kam entsprechend mit Donnerhall, und die Beiden wurden nicht ohne eine Zugabe entlassen. „No Mistakes on the Dancefloor“ war dann die Belohnung für die Bettelei des Publikums – erneut ein Kracher. Ein Besuch der Konzerte von Junodori kann man wirklich empfehlen. Leider sind sie in der nächsten Zeit eher weiter weg tätig. Hier in der Gegend weist ihr Auftrittskalender erst im Oktober wieder Konzerte in Leverkusen auf. Vielleicht haben die beiden ja einmal wieder Lust auf ein kleines Gastspiel im Folk Club.
Nun, gut abgefüllt mit den obligatorischen Glückshormonen konnte sich das Publikum wieder auf den Heimweg machen, aber nicht ohne zuvor noch den traditionellen Rausschmeißer, den ollen Schotten Jock Stewart, besungen zu haben.
Auf Wiedersehen bei der 82. Ausgabe des Folk Club Bonn am 7. Juli 2017, diesmal ausnahmsweise im Club Galicia de Bonn e.V., Südstraße 124, Bonn-Bad Godesberg (Friesdorf). Euer Organisationsteam empfiehlt all denen, die einen Sitzplatz ergattern wollen, sehr zeitig zu kommen. Der Club Galicia macht bereits um 17.00 Uhr auf. Meist ist es kurz danach rappelvoll, denn die Küche des Clubs ist ausgesprochen beliebt.
Das Thema des Folk Club-Abends im Juli lautet „Kreis- und Additionslieder“.
Für alle, die sich fragen, was damit gemeint sei, folgende Erklärung: Bei Kreisliedern kehrt der Text am Ende wieder zum Anfang zurück. Ein bekanntes Lied dieser Art ist „Ein Loch ist im Eimer“.
Additionslieder zeichnen sich dadurch aus, dass jede Strophe das Vorige wiederholt und um ein weiteres Element ergänzt wird. Ein schönes Beispiel hierfür ist das italienische Lied „Come si pianta la bella polenta“, mit dem die Entstehung der beliebten Polenta aus dem Mais beschrieben wird, der gesät wird, der wächst, der geerntet, geschrotet, gekocht und gegessen wird und der zuletzt auch noch gut schmeckt. Die letzte Strophe ist naturgemäß meist ein wenig lang. Kinder lieben solche Lieder, aber vielleicht auch Erwachsene. Spaß kennt kein Alter.

Sonntag, 25. Juni 2017

Sabines Bilder vom Folk Club Nr. 81 am 2. Juni 2017

John Harrison


Dos Equis alias Paolo Pacifico und Charley Deanesi



Gert Müller präsentiert Geschichten op Bönnsch Plaat


Steve Perry und Gert Müller

Günter Peters




Günter Peters und Bob Marabito


Matthew und Melanie


Jutta Mensing besingt den "Saalhund" (Seehund)


Peter Deteren mit einem eigenen Gedicht über die Liebesträume eines Klosterschülers



Mario Dompke


Regine und Steve



John Hurd

John zusammen mit Juan Isaza und Marion Dompke

Der findet den Folk Club tierisch gut

Fliege alias Hermann-Josef Wolf


Junodori alias Judith Nordbrock und Sergii Chernenko





Ende des Abends mit "Jock Stewart"




Freitag, 16. Juni 2017

A little bit of Folk and Blues in Königswinter

”LIVE ACOUSTIC MUSIC ON A SUNDAY AFTERNOON”
Sonntag,  02.07.17
13:00 Uhr: Hotel 4 Stage & 15:00 Uhr : Königswinterfähre nach Mehlem

” A little bit of Folk & Blues ”

Two men born a thousand miles apart in Burton-upon-Trent in England and Trento in Italy and now meeting at the halfway house in a small town in Germany in Bonn  for a musical history of acoustic rural folk blues music from the Mississippi Delta to Chicago and the piedmont blues from Carolina to New York. An unplugged ramble through the deepest darkest roots of what we now know as "popular" or "pop" music.

The Blues, are sometimes wrongly considered primitive, but they are in truth the often crying and wailing, intricate poetic soul and rhythm of Africa, made and crafted in the USA. The Blues, as a defined musical art form are little more than a century old, but the hopes and fears and trials and tribulations and inevitable hardship and occasional elation of everyday life which they describe and so powerfully embody have accompanied all of humanity on life's long  journey ever since the first humans stood up so very long ago and walked out of Africa and into the unknown, in search of something. Some of the later travellers from Africa were even given a free ship's passage to the promised land and a lifetime's guarantee of full employment with full board and lodgings for their part in the human chain of history. The Blues are their collective voice. As Big Bill Broonzy once said, "All music is folk music, I never heard no horses sing a song!"

https://3songsbonn.com/2014/05/09/meeting-john-paulo-at-the-crossroads/

https://3songsbonn.com/2017/01/21/john-harrison-paolo-pacifico-blues/

Come along and listen:



Street musicians' festival on Sunday, July 2nd 2017
we'll be playing live, outdoors and unplugged
Königswinter town centre featuring 11 different musical acts at four different venues in Königswinter.
Eintritt Frei


Mittwoch, 7. Juni 2017

3SongsBonn report of Folk Club No. 81 on 2. June

https://plus.google.com/u/0/+FolkClubBonn/posts/6NRDiexTx3q

Follow the link for 3SongsBonn's wonderful coverage of June's Folk Club Bonn meet. Folk Club Bonn number 81. This means that John Hurd was wearing more hats than The Mad Hatter starring as reporter, photographer, singer, songwriter, guitarist and band leader, all on the same evening.

Well done John!


https://3songsbonn.com/2017/06/04/folk-club-81-the-storm-behind-the-calm/

Mittwoch, 24. Mai 2017

Detelfs Bericht vom Folk Club Nr. 80 am 5. Mai 2017


Folk Club im Mai 2017 - Grenzen überschreiten mit Musik

Musiker, die auch in späteren Jahren noch von sich reden machten, haben fast alle zumindest musikalische Grenzen überschritten. Das Althergebrachte ist meist eher langweilig. So war dieser Folk Club Abend, der die Grenzüberschreitung zum Thema gemacht hatte, denn auch schon vom Programm her kurzweilig und sorgte natürlich wieder für die nötige Portion Glückshormone bei allen Beteiligten.
Dabei ging die Sache Folk-Club-mäßig eher traditionell los mit John Harrisons allseits erwartetem und dann doch wieder erschreckendem Schlachtruf, der den Abend unüberhörbar eröffnete.
Johns Einstieg in den Abend begann mit dem Lied „Motherless Child“, nein nicht dem Lied, das Richie Havens beim legendären Woodstock-Festival gesungen hatte. Der Blues, den John auf seiner Resonator-Gitarre begleitete und zu dem Paolo Pacifico schöne, zurückhaltende Percussion beisteuerte, stammt aus dem Jahr 1927 und ist von Altmeister Barbecue Bill Hicks. An „Crossroads“, Wegkreuzungen also, muss man sich für die Richtung entscheiden und kann dabei auch schon mal aus dem Gleichgewicht geraten. Das Lied stammt von Robert Johnson, einem anderen berühmten Blues-Altmeister. John wurde von einem famos aufspielenden Paolo an der Mundharmonika begleitet. „Mr Solitaire“ ist eine Eigenkomposition von John über einen Mann, der manchmal ein wenig einsam ist. Das Lied hat eine berückende Gitarrenbegleitung mit wunderbaren Tonartwechseln und kleinen Soli, die John mit Bravour meisterte. Paolo begleitete das Lied zart und zurückhaltend und doch virtuos auf seiner Mundharmonika – großer Applaus für John und Paolo. Ihr werdet immer besser!
Über wahrhaftige Grenzüberschreitungen lesen wir in der Bibel, und die Geschichte, in der Jesus über das Wasser wandelte, ist eine davon. Unser Gedichte-Experte für die Bonner Mundart Gert Müller präsentierte die Bibel-Verse in der Version seines Freundes Ferdinand Böhm als Gedicht op Bönnsch Plaat – einfach köstlich.
Über die Grenzüberschreitungen von Uli Hoeneß sinnierte Gerd Schinkel in seiner Ballade, die er diesmal nicht auf seiner Gitarre begleitete sondern auf der Autoharp („Die heißt so, weil man sie auch im Auto spielen kann“, ist Gerds nicht ganz ernst gemeinte Erklärung für die Bezeichnung des Instruments). Dazu gab GW Spiller mit seiner gewaltigen Tuba dem Lied die richtige bajuwarische Stimmung. Die Ballade hatte in Vollversion offenbar abendfüllenden Umfang, so dass Gerd sie für den Folk Club passend zurechtstutzen musste. Aber auch das reichte bereits. Euer Chronist möchte gar nicht wissen, was Gerd dem „lieben“ Uli noch alles an den Kopf zu werfen hat. Wer es mit Gerds bissigen Liedern zu tun bekommt, der muss sich vorsehen. Der ehemalige Bischof von Limburg weiß ein Lied davon zu singen.
Gerd ging, GW blieb, und Mary Krah mit ihrer Harfe gesellte sich zu ihm. Die Kombination von Harfe und Tuba allein ist schon eine Grenzüberschreitung. Mit dem romantischen Lied „Autumn Leaves“, das sie instrumental vorführten, zeigte sich aber, dass auch diese Kombination wunderbare Wirkung entfalten kann. Ob die beiden das Folgende gewusst haben? Das Lied Autumn Leaves ist an sich schon eine Grenzüberschreitung der komplexeren Art: Entstanden als französischer Chanson „Les Feuilles Mortes“ mit Musik von Joseph Kosma und Worten von Jaques Prévert wurde es von Johnny Mercer später ins Englische übertragen und entwickelte sich zu einem überaus beliebten Jazzstandard. Damit aber nicht genug der Grenzwechselei. Die Melodie des sogenannten B-Teils des Liedes (Wegen der A-A-B-C-Strukur der Melodie) wurde vermutlich aus einem revolutionären Arbeiterlied der 1920er Jahre „geklaut“ (Die Arbeiter von Wien). Dieses wiederum basiert auf dem sowjetischen Marsch „Weiße Armee, schwarzer Baron“. Das ist doch was. Habt Ihr es gewusst, Mary und GW?  Ich bis heute auch nicht, aber Wikipedia vermittelt einen guten Einstieg in die Dinge. Immerhin, dem Publikum gefiel die Musik und die Beiden mussten eine Zugabe spielen. Mit „Summertime“ von George Gershwin (auch ein Grenzwandler zwischen Jazz und Klassik) lagen die beiden goldrichtig – Applaus für Mary und GW.
Echte musikalische Grenzüberschreiter sind Jan Hoffmann (Gitarre und Gesang) und Volker Lindner (Geige und Bouzuki), die sich „Folkscheuchen“ nennen. Teils instrumental, teils mit Gesang fegten sie mit ihren Stücken durch den Saal. Dabei ist vor allem die Instrumentalisierung mit Geige ein besonderes Schmankerl. Irgendwie erinnern die beiden an Jethro Tull, bei denen Ian Anderson mit seiner Querflöte auch ein ungewöhnliches Element in die doch stark von der Gitarre dominierte Rock-Musik gebracht hatte. Neben der Wahl der Instrumente sind auch die Arrangements ihrer Lieder eine spritzige Wanderung zwischen Folk und Rock. Den Start machten die Folkscheuchen mit einem traditionellen jüdischen Stück namens „Scherele“, das aber von einem Intro aus der Rock-Sphäre eingeleitet wurde. „Wie beim ersten Mal“ besingt die gute alte Zeit als Musik noch von Hand gemacht wurde (Frage: wieso die alte Zeit? Kommt doch in den Folk Club, da bekommt ihr handgemachte Musik). Das Lied „Die klapprige Gestalt“ besingt eine Vogelscheuche, die die Jahrhunderte überlebt und dabei die Veränderungen um sich her erlebt. „Ich war nie jung, schon immer alt“ lautet eine Zeile, bedrückend und verstörend. Die Musik unterstreicht den Text, der von Jans sicherer Singstimme vorgetragen wird, perfekt. Weitere Liedertitel waren „Nachtwanderung“, „Urlaubsangst“ und „Bildersturm“. Auf die bekannte Melodie von „Hava Nagila“ dichteten sie ein sehr schräges und witziges Lied über Udo-Achim, den man eigentlich lieber nicht beim ersten Date mit Clara dabei haben möchte. Zum Schluss, aber nicht ganz zum Schluss, gab es das Instrumental „Drowsy Maggie“, einen traditionellen irischen Reel, also einen Tanz. Die beiden konnten dabei ihr ganzes instrumentales solistisches Können ausspielen. Eine letzte Zugabe vereinigte „Orange Blossom Special“ von Erwin T. Rouse  mit dem Jethro Tull-Hit „Locomotive Breath“, ein wilder Mix und ein großer Spaß – Applaus für die Folkscheuchen.
Mit der Kathy Freeman, der Engländerin, die Amerika so sehr liebt, aber in Berlin lebt betrat eine weitere Grenzgängerin die Bühne. Ohne Umschweife startete sie ihren Auftritt mit dem Lied „You Don’t Rock No More“. Gleich mit den ersten Takten zeigte sich Kathy als musikalischer Vollprofi. Tolle Gitarrentechnik mit Slide-Elementen und Fingerpicking gekonnt eingebaut, ihre Stimme intonationssicher und variabel mit schönen Registerwechseln in die Kopfstimme. Bei „Party Animal“ kann sich jeder denken, worum es geht. Bei „Three Little Questions“ ging es anders als bei den ersten Liedern weniger aggressiv zu, genauer gesagt, es war wunderbarer Country-Schmalz von der feinsten Sorte. „How much would it take to let her go“ lautete die entscheidende Phrase des Textes. „England Doesn’t Love Me Any More“ ist der wehmütige Titel eines Liedes, das Kathys Sehnsucht nach der Heimat dokumentiert, die ihre Türen für die Ausgewanderte verschlossen hat. Den Inhalt von „Bitch Like You“ wollen wir lieber nicht vertiefen. Bei „Red Wine, Gold Rings“, kamen die lauernden Country-Fans aus ihren Löchern und voll auf ihre Kosten, und für die Sangesbegeisterten im Publikum gab es endlich mal etwas zu tun. Sie durften den Refrain mitsingen. Auch bei „O.V.E.R.“ hatte Kathy tief in die Country-Kiste gegriffen. Natürlich ging es dabei um das Ende einer Beziehung, und es war auch das Signal für das Ende des Auftritts, aber Kathy kam nicht ohne zwei Zugaben davon. Zunächst wählte sie ausnahmsweise „Fremdmaterial“: „These Boots Are Made for Walking“ hätte auch von ihr stammen können, die Stiefel passten jedenfalls gut zu ihr. Mit „Take These Teardrops from My Eyes“ verabschiedete Kathy sich vom Publikum, das der authentischen und sympathischen Künstlerin einen tollen Applaus gab.
Als Wecker nach der Pause startete Barry Roshto leider nahezu ungehört vom noch im Pausenmodus munter schwatzenden Publikum mit einer emotionalen Version von „Wayfaring Stranger“. Das Arrangement hatte er selbst geschrieben für die Beerdigung seines Vaters vor einem Jahr in Louisiana. Es war herzergreifend schön, wie Barry dieses alte amerikanische Volkslied vortrug, das die Reise der Seele durchs Leben beschreibt, die in ihrer Heimkehr durch das Überschreiten des Jordans endet. Inzwischen hatte sich die Aufmerksamkeit der Zuhörer Barry zugewandt, und so konnten sie seine beiden Louisiana-Songs, die er zusammen mit einem famos aufspielenden Paolo Pacifico vortrug, richtig genießen. „Streets of Evangeline oder Louisiana 1927“ von Randy Newman besingt eine Episode aus der großen Flut in Louisiana von 1927, als die kleine Stadt Evangeline sechs Fuß, also fast zwei Meter, unter Wasser stand und Präsident Coolidge zu Besuch kam. Mit „I Wish I Was in New Orleans“ von Tom Waits, ging Barry mit seiner herrlichen Stimme noch mal so richtig in die Tiefe der Seele des Südstaatlers – Gefühl und Gänsehaut pur.
Barry machte die Bühne frei für zwei weitere Edelsteine in Person von John Hay und seiner Tochter Claire. John hatten wir ja in unterschiedlichsten Konstellationen schon mehrmals im Folk Club erleben dürfen, auch für Claire war es nicht das erste Mal. Bereits bei unserer Feier zum 50. Folk Club im September 2014 trat sie zusammen mit ihrem Papa auf. Mit „Too Close“, einem Lied, das in seiner Interpretation von Alex Clare bekannt ist, ging sie gleich zur Sache, als ob Singen für sie das Selbstverständlichste von der Welt wäre. Und sofort war der Saal mucksmäuschenstill. Claire präsentierte sich mit herrlich kraftvoller, klarer und beweglicher Stimme. Papa John zeigte sich dabei an der Gitarre von seiner einfühlsamsten und spielfreudigsten Seite – ein wirklich wunderbares Duo. Nach „Rockabye, Baby“ und „Please Have Mercy on Me“ gab es donnernden Applaus und den Wunsch, die beiden bald im Folk Club wiederzusehen.
Daniel Bongart hatte diesmal einen Mann für die Rhythmik mitgebracht: Frank Otto, sinnigerweise ein Nachbar von John Harrison, der verschiedene Percussionsinstrumente zum Einsatz brachte. „Grace is Gone“ von Dave Matthews besingt einen Mann der seine Trauer über eine verlorene Liebe im Alkohol ertränken will. Vielleicht auch eine Grenzüberschreitung. „Driftwood“ von Travis ist ebenfalls ein Lied über unklare Grenzen. Mit „Little Bird“ steuerte Daniel ein Lied aus eigener Feder bei. Das Lied ist seiner Frau gewidmet und handelt von einem freien Vogel, toll gespielt und gesungen von den beiden. Frank würzte das letzte Stück noch mit einem wunderbaren Trommelsolo – Bravo Daniel und Frank.
Als letzter Grenzüberschreiter heizte Melchi Vepouyoum aus Kamerun mit drei eigenen Liedern dem Publikum ein. Den Beginn machte er mit einem Lied, das er quasi a capella nur begleitet von seinen um die Hände schwingenden Rhythmuskugeln „Niass“ in seiner Muttersprache Bamum sang. „Fa Yingan – Gib’s Ihm“ ist der Titel und es hat einen religiösen Hintergrund, wie auch das nachfolgende Lied, bei dem Melchis Gitarre zum Einsatz kam. „Lam“ lautet der Titel und besingt das Los eines Mannes, der heiraten will, aber an den zahlreichen Forderungen von Geistlichen unterschiedlicher Konfessionen und Schwiegereltern scheitert. Auch dieses Lied hat neben einer schöner Melodie eine herrlich eingängige Rhythmik, und Melchi singt mit seiner wunderbar klaren und kraftvollen Stimme. „Nimm mich wie ich bin“ lautet übersetzt der Titel seines letzten Liedes – das Publikum ist begeistert.
Mit dieser bunten Mischung war wieder ein wunderbarer Abend vergangen, der natürlich nicht ohne den obligatorischen Rausschmeißer „Jock Stewart“ beendet werden konnte. Damit hatte der zuende gegangene 80. Folk Club etwas ganz besonderes: Jock Stewart war am Ende zum zweiten Mal angestimmt worden. Das erste Mal besangen alle den ollen Schotten schon vor der Pause, denn der WDR  beehrte uns mit seiner Anwesenheit für eine kleine Reportage. Die beiden Bild- und Tonreporterinnen benötigten natürlich auch ein lebendiges Beispiel von Jock Stewart und konnten dafür nicht bis zum Ende des Abends ausharren. Also mussten alle schon vor der Pause ran – kein Problem!
Beim Folk Club Nummer 81 am 2. Juni gibt es eine kleine Wundertüte: Der ursprünglich angekündigte Featured Artist ist leider erkrankt, und wir müssen auf Bordmittel ausweichen. Also richten wir uns erst einmal auf eine Singers’ Night ein und hoffen auf ein Wunder. Vielleicht bekommen wir ja doch noch Besuch aus der Ferne. Auf Wiedersehen beim Folk Club Nummer 81, der, wie auch immer, wieder wunderbar werden  wird.

Sonntag, 21. Mai 2017

Sabines und Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 80 am 5. Mai 2017

John Harrison bei der Eröffnung des Abends

I'm a one man band"


John Harrison und Paolo Tranquilini alias Pacifico


Gert Müller mit Bönnschen Gedichten



Gerd Schinkel und GW Spiller




Mary Krah


Jan Hoffmann und Volker Lindner, die "Folkscheuchen"





Der WDR bei der Arbeit


Kathy Freeman




Günter Peters macht Musik in der Pause

Barry Roshto



Barry und Paolo

John Hay und seine Tochter Claire



Daniel Bongart und Frank Otto



Melchi Vepouyoum



Jock Stewart zum Abschluss