Dienstag, 5. September 2017




https://3songsbonn.com/2017/09/05/brother-movement-bromo/

Brother Movement – Bromo


Bromo's inaugural CD launch party at Folk Club Bonn on Friday 01.09.17 would have put
Cape Canaveral to shame. They now hold the club record for CD shifting and John Hurd has already
reviewed it.

Donnerstag, 24. August 2017

Marios Bericht vom Folk Club Nr. 82 im Juli 2017



Bonnef Diaf........

so wurde das altbekannte Laaaddieees and Gentlemen beim 82. Folclub Bonn erweitert. Vielleicht ein bisschen leiser als sonst, vielleicht aber sogar etwas lauter – nur leiser wahrgenommen, denn der  Folkclub fand wegen einer Terminkollision in seinem Stammdomizil diesmal nicht im Dotty's, sondern im Club Galicia statt – war doch die Präsidentin des Clubs beim ersten Folkclub schon mit ihren galizischen Pipes für einen genauso schönen, wie fulminanten Start verantwortlich. Diese alte Verbundenheit fand nun ihren Ausdruck in eben der Beheimatung des 82. Folkclubs. Um es vorweg zu nehmen, so schön es war mit vielen lieben Menschen und durch den Club Galizia auch neuen Gesichtern zusammen zu sein – die Räumlichkeiten eignen sich nur bedingt für eine Konzertveranstaltung – insbesondere für eine unverstärkte und mit leisen Tönen gespickte Veranstaltung. Der geflieste Raum in Verbindung mit Holzstühlen hat einen rustikalen aber weniger musischen Charme.
Trotzdem oder gerade deshalb. Echte Folkies lassen sich durch solche „nebensächlichen“ Widrigkeiten natürlich nicht schrecken – hat doch Orpheus, als einer der ersten Singer- und Songwriter  sogar  Steine zum Weinen gebracht und es mit Furien aufgenommen – nur die Liebe hat mal wieder dazwischen gefunkt (war sie doch eigentlich erst der Anlass). Aber die Liebe spielte beim letzten Folkclub nur eine untergeordnete Rolle (außer der zur Musik natürlich). Additionslieder und Rundgesänge waren das Thema und hierzu hatten sich viele der Künstler in warmen Juni und Julinächten ebenso viele Gedanken gemacht. Additions- und Rundgesänge sind traditionell solche Lieder, die immer weitergehen und in der Regel keinen höheren  (oder war das tieferen) Sinn haben – also nach dem Motto „singing makes the world go round“. Es wird  eine nichts oder wenig aussagende Textzeile durch weitere Strophe erweitert zu einem ebenso nichts aussagenden Höhepunkt getrieben und durch einen Kreisschluss wieder an der Anfang zurückgeführt.
Dies demonstrierte Steve Perry (nach einer spanischen Ansage) mit dem Lied „Jan Jansen“ (auch unter Yon Yonson bekannt): „My name is Jan Jansen, I live in Wisconsin. I work in a lumber yard there. The young girls I meet as I walk down the street says "Hello!" I say "Hello!"  They say "What's your name." I say: My name is Jan Jansen... (repeated again and again).
Mit dieser gut verständlichen Einführung eines Kreisliedes leitete Steve zu einem Additionslied über. „There was an Old Lady“  ist ein sehr typisches Beispiel, versucht in diesem Lied doch eine ältere Dame ein Missgeschick (sie schluckte eine Fliege und war in Gefahr daran zu sterben) durch das Schlucken immer größerer und in der Nahrungskette höher stehender Tiere auszugleichen – also die Spinne sollte im Magen die Fliege erledigen, der Vogel die Spinne, die Katze..........
 Nicht unmittelbar mit dem Thema zu tun hatte das von Master John vorgetragene Lied „If“. Ein Lied von dem Dschungelbuchautor John Kipling, welches er seinem Sohn als Handlungsanleitung für das Leben geschrieben hatte – in gewisser Weise also doch wieder ein Kreis und Additionslied. „Diggers and Levellers“ beschreibt die Situation des britischen Volkes im 16. Jahrhundert, als der damalige König wegen Hochverrates verurteilt und geköpft wurde, der eingesetzte Rat dann aber mit der Regierung nicht wirklich fertig wurde und die Monarchie wieder erneuert wurde (ist das Leben doch ein Kreis?). Mit seinem dritten Lied besang John auch einen sich immer wiederholenden Prozess, der allerdings durch den Songwriter Ron Angel durchbrochen wurde. In der chemischen Industrie war die Lebenserwartung statistisch gesehen bei 42 Jahren und der Chemiearbeiter Ron Angel dachte sich mit 41 Jahren diesen Kreis zu durchbrechen und  hörte mit der Arbeit auf, schrieb dafür das Lied „Butcher Go“ über die Arbeitsbedingungen. Mit dem Lied „Machinegun Kelly“ schloss John seinen Floorspot ab, ein Lied was einen anderen Kreislauf beschreibt: Aus Kleingaunereien werden Verbrechen, diese werden immer härter und brutaler und enden – wie im Lied – in lebenslänglicher Haft.
Den Räumlichkeiten angemessen betrat nun ein aus verschiedenen Musikformationen bekanntes Gesicht die Bühne. John Hay hatte diesmal wieder die Flamencogitarre mitgebracht und wollte deshalb auch gerne, dem Ambiente entsprechend, als Juan angesprochen werden. Musikalisch unterstrich er den spanischen Anspruch mit zwei instrumentellen spanischen Musikstücken, die von seinem Kollegen Jelin auf dem Cajon begleitet wurden. Eine langsame „Solea“ wurde durch das folgende „Bulerias“ gesteigert. Juan hat wieder einmal den Beweis erbracht, dass Musik in den unterschiedlichsten Stilrichtungen immer in den Folkclub Bonn passt – solange sie rein akustisch ist und mit Liebe, Freude und Gefühl vorgetragen wird. Liebe, Freude und Gefühl waren auch in dem nächsten Stück reichlich vertreten. Ergänzt wurde nämlich das Duo Juan und Jelin durch eine neue Hauptperson – Juju aus Brasilien. Ein klein wenig schüchtern, ja ängstlich kam sie daher, was sich allerdings sehr schnell als grundlos erweisen sollte., Mit dem Lied „Adios min e Grito“ sang sie sich mit einer tollen Stimme und einem gefühlvollen Vortrag direkt in die Herzen der Zuhörerschaft.
Den Jakobsweg laufen heißt heute zu sich selbst zu finden, früher war dieser Findungsprozess gepaart mit Buße – mag sein, dass das heute bei einigen auch noch eine Rolle spielt. Bei Gerd Schinkel heißt den Jakobsweg gehen natürlich mit einem Koffer voller neuer Lieder zurück nach Hause zu kommen. Und einige dieser Lieder brachte er in angepasster, spanischer Umgebung zu Gehör. Fast schon eine Einleitung als Begründung für die Entscheidung den beschwerlichen Weg zu laufen, hieß sein erstes Lied „Der Weg ist das Ziel“. Nicht lange nachdenken und sich etwas vornehmen, sondern loslaufen und das Beste draus machen – so findest du zu dir. Auch das zweite Lied brachten tiefe Gedanken ans Tageslicht „Bin ich eigentlich bescheuert“ war wohl jeden Abend nach dem Ausziehen der Schuhe und jeden Morgen vor der neuen Tagesetappe der Gedanke, den sich nicht nur Gerd gemacht hat. Die Antwort auf diese Frage wird aber wohl jedem mit dem Glücksgefühl, das Ziel erreicht zu haben, gegeben. Dass sich diese fundamentale Frage nach wenigen Schritten in gedankliche Luft auflöst, beschrieb Gerd mit dem nächsten Lied „Bon Camino“, dem Gruß, der in allen Sprachen verständlich jedem Wanderer entgegenschallt, wenn er auf andere Jakobsbezwinger trifft. Gleichzeitig war dieser Gruß von Gerd auch die Verabschiedung des Publikums in eine kurze Pause. Da der Geräuschpegel inzwischen doch ziemlich angeschwollen war, wurde diese Pause zur Sammlung der Konzentrationsfähigkeit auch benötigt.
Die zweite Hälfte des 82. Folkclubs wurde von dem Großmeister der Tasten und des Rhythmus eingeleutet (das Wort ist extra mit e geschrieben, denn eine Glocke war nicht da, jedoch sollte der Song zum Mitsingen anregen). Barry Roshto bewies sein mathematisches Talent, indem er feststellte, dass die Subtraktion nur eine Addition mit negativem Vorzeichen ist. Was passiert, wenn 100 Flaschen Bier auf dem Regal stehen und eine nach der anderen mit dem Kommentar „trink noch einen Schluck“ herum gereicht werden? Es werden immer weniger Flaschen und die schbraache würd uneutlichär. So geschildert in dem „Bottle Song“, der zur Entlastung des Publikums zwischendurch die Schilderung der Leerung der Flaschen  80 bis 15 ausgelassen hat. Getoppt (oder vielleicht doch gedownt) wurde diese musikalische Schilderung durch eine very British version von John, die allerdings, da nur von 10 Flaschen die Singe war, vollständig gesungen wurde. Als astreines Additionslied zeigte sich dann die Geschichte von dem Stöpsel in dem Loch des Grundes eines Gewässers... Wie es ausgeht? Bitte bemüht das Internet zu dem Text des Liedes „There's a Hole in the Bottom of the Sea“. Die Einleitungsrunde zur zweiten Halbzeit des Folkclubs beschlossen Barry und John gemeinsam mit dem Spaßlied „You Can't Get to Heaven“ - egal welches Fortbewegungsmittel gewählt wurde, der Weg in den Himmel konnte nicht bewältigt werden.
Robert Sauerwein mit Andre Hübner brachten nun zwei Songs aus dem Album „Homegrown Projects“ zum Besten. Gewohnt an einen E- Bass musste sich Andre ein klein wenig auf den schnell herbei gezauberten Akustik Bass einstellen (ihr wisst ja, Folkclub Bonn ist immer rein akustisch). Dies gelang ihm aber schnell und so wurden nach den Mitsing- und Spaßliedern zwei popig, rockig angehauchte Lieder im besten Singer- Songwriter Manier vorgetragen. Die Stücke „Waiting for You“ und „A Hundred Ways“ stammen beide aus der Feder von Robert Sauerwein. Ich denke, wir werden die beiden sicher noch häufiger im Folkclub hören.
Mit einem Kinderlied für Vorschulkinder versuchte der Chronist selbst, also ich, Mario Dompke, seinen Beitrag zu den Kreisliedern zu leisten. „Ich bin ein dicker Tanzbär“ ist deshalb ein Kreislied, weil es immer wieder zum Ursprung zurückkommt, allerdings werden die Beteiligten immer mehr (Jede(r) muss sich nach jeder Strophe einen neuen Partner suchen – und das Lied kann viele Strophen haben). Ich danke vor allem Ingrid für ihre mutigen und mitreißenden Tanzeinlagen, so dass das Lied schnell die Tanzfläche füllte. Das nächste Lied war zwar kein ausgesprochenes Additions- oder Kreislied, jedoch beschrieb es eine mathematische Herausforderung. Was passiert wenn ein Sprichwort wörtlich genommen wird, aber sprichwörtlich überprüft wird? „Meine Hälfte“ ist ein Viertel unsrer ganzen Zweisamkeit..... ist ein Liebeslied, das den immer gleichen Kreislauf von verlieben über Familie gründen und versorgen hin zur ungleichen Verteilung von Aufgaben beschreibt.  Mit dem letzten Lied beschritt Mario auch sprachlich ernsten Grund. „Fährmanns Irrtum“ beschreibt die sich vorgestellten Gefühle eines Wachkomapatienten – wer weiß schon, was wirklich in diesen Menschen vorgeht?  Ist Hoffnung oder eher  Hilflosigkeit der erste Gedanke am Morgen? Gehen wir in unserer Gesellschaft eigentlich würdevoll mit solchen Situationen um? Fragen, die gestellt, aber nicht beantwortet werden.
Sebastian Landwehr, ein ehemaliger Irish Tuneist (Tune-ist; einer, der Tunes, also Melodien, zum Besten gibt) und heute hauptsächlich ein Liedermacher, stellte mit drei Liedern seine aktuelle CD vor. Nicht zum ersten Mal Gast im Folkclub, war ihm die Aufmerksamkeit des Publikums sicher. „Kleine Feder“ beschreibt die Sehnsucht, sich frei in den unterschiedlichsten Umgebungen bewegen zu können. Frei von Zwängen gesellschaftlicher Normen. „Es ist schon ok“ beschreibt die Realität nach der Sehnsucht und vor allem nach den Versuchen aus Normen auszubrechen. Aber nur wenige schaffen es wirklich, werden dann aber oft in anderen Normen gefangen. So ist das Lied, dass den Wunsch und Versuch beschreibt von der eigenen Musik zu leben und dann doch in „geordneten“ Bahnen zu landen, auch nur die Beleuchtung einer Seite – also kommt das Fazit wahrscheinlich zwar ein wenig frustriert, aber doch richtig – es ist schon ok. „Die Wogen“ ist auch ein Lied, in dessen Text jeder Hörer seine eigenen Aussagen hineinstecken kann – also ein gutes Lied. Es beschreibt Melancholie genauso wie Hoffnung, Faszination ebenso wie Frustration. Es ist ein Lied aus dem Stoff, aus dem lange haltbare Begleiter des Lebens gemacht sind. Ich hoffe, dass Sebastian nicht den Weg seines zweiten Liedes geht, sondern immer wieder zur Gitarre greifen  und neue Lieder schreiben und vortragen wird.
Was so alles aus einer Partneranzeige erwachsen kann – und das nicht im Sinne der Liebeslebenkontaktbörsen – zeigt das Duo Uwe Gillert und Jakob Sodoge. Uwe hat mal eine Anzeige zur Suche von Mitmusikern aufgegeben und als er gar nicht mehr daran dachte, stand plötzlich Jakob mit seiner Autoharp vor der Tür. Was dabei herausgekommen ist, durften wir mit drei Lieder hören. „Schlecht geträumt“ ist ein in rheinischer Mundart geschriebenes Lied über Fremdenhass und falschem Nationalstolz. Auch wenn in dem Lied nur ein Traum, so drückt es doch die Angst aus, dass nicht etwa Flüchtlinge oder andere Hilfesuchende uns kaputt machen, sondern die pauschalierte Ablehnung einiger Spinner, die aber in der ganzen Welt immer mehr werden und gerade mit ihrer Ablehnung anderen gegenüber die Probleme des Terrors und der Uneinigkeit heraufbeschwören. Mit dem Lied „Curry Wurst“ wurde – bewusst oder unbewusst – die Aussage des ersten Liedes noch einmal unterstrichen. Was gibt es im Leben eines durchschnittlichen Bürgers wichtigeres als Fußball, Fritten und Currywurst – die Reduktion auf das „Wesentliche“ blendet oft die Möglichkeit, sich mit den Problemen anderer auseinandersetzen zu können, aus. Aber das Lied selbst ist sehr gut gemacht. Super Blues und mit der Harp von John auch noch zusätzlich internationalisiert :-). Last but not least wurde noch einmal das Thema „Terror“ mit dem gleichnamigen Lied von Jokob Sudoke aufgenommen. Ich war anfangs etwas irritiert, weil die Melodie des Liedes eher beschwingt daher kommt, aber wahrscheinlich ist dies genau die richtige Art, die Mahnung auszudrücken, dass wir uns langsam aber sicher mit Terror als Alltagsgeschehen abfinden – das darf aber niemals so sein.
Nun folgte ein langer aber informativer Block über den Club Galizia, dem Kulturverein und natürlich der galizischen Pipemusik. Eva Salgado Martinez, ihres Zeichens Präsidentin des Club Galizia, beschrieb anschaulich wie wichtig die Pflege der galizischen Kultur auch für Bonn Bad Godesberg ist und wie bereichernd das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen sein kann. Die Organisation regelmäßiger Kulturveranstaltungen, das Betreiben einer Restauration mit galizischen Speisen und Getränken und der einfache, allabendliche Austausch untereinander bilden die Säulen, dass Freundschaften entstehen und Hass vermieden wird. Besonders emotional wurde Eva natürlich nachdem sie, durch viele Bitten aufgefordert, zu ihrem Dudelsack griff. Da dies sehr spontan erfolgte , durften wir nicht nur miterleben, wie ein solches Instrument zum Spielen vorbereitet wird (Stimmen, einblasen), sondern auch die instrumentalen und kulturellen Hintergründe der Musik erläutert bekommen. Wer hätte gedacht, dass auf einem Instrument, welches mit seiner Lautstärke locker jeder Feuerwehrsirene in den Schatten stellen kann, Schlaflieder für Kinder gespielt werden. Eva zeigte uns an einigen Beispielen wie traditionelle Musik für unterschiedliche Situationen, jeweils eigene Charaktere haben und, wenn man sich darauf einlässt, diese Charaktere auch der Situation angemessen erscheinen.
Den Abschluss des Abends gestaltete wieder Gerd Schinkel, der weitere Lieder aus seinem Jakobswegzyklus vortrug. Die Gesamtstimmung (weniger emotional sonder phonal) hatte weiter zugenommen, so dass es bei einer anschwellenden Lautstärke durch Unterhaltungen schwieriger wurde, Lieder mit notwendigerweise zu verstehenden Texten vorzutragen und diesen zu folgen. Gerade in diesen Situationen zeigt sich Gerds Professionalität und er schaffte es trotzdem die Aufmerksamkeit zu behalten. „Dem Weg ist es egal“ wer ihn geht, ist ein Lied welches sich an dem Abend gut in die Gesamtthematik nach Toleranz bwz. Intoleranz einordnete. Nicht die Umgebung lehnt etwas ab, sondern höchsten die Menschen, die sich die Umgebung unterwerfen wollen. Auch das Lied „Geh deinen Weg“ fordert auf, sich nicht auf die Meinung anderer einzulassen, sondern eine eigenen Meinung zu haben und diese zwar immer wieder zu überdenken, aber dann auch zu vertreten. „Finistra“ war dann, wie der Name schon sagt, das Lied über das Ende des Jokobsweges. Ein Lied über zurückgelassene Wasserflaschen und anderen Müll, aber auch ein Lied über die Frage, was hat es einem selbst gebracht den Weg und ein Stück darüber hinaus zu laufen.
Der schottische Patron „Jock Stewart“ durfte auch im fernen Spanien (zumindest im Club Galizia) nicht fehlen und so bezwangen alle Folkclubbesucher mit einem gemeinsam geschmetterten Abschiedslied noch einmal die Lautstärke der inzwischen entstandenen Alternativgespräche und sogar -konzerte, denn eine Kulturclub wäre keine Kulturclub, wenn nicht zur fortgeschrittenen Stunde auch heimische Musik gemacht würde – und ganz im Sinne des Folkclubs: von Hand und rein akustisch.
Ich hoffe, wir sehen uns am 1. September alle bei Dotty wieder. In diesem Sinne
Out of the bedroom

Mario



Dienstag, 27. Juni 2017

Detlefs Bericht über den Folk Club Nr. 81 im Juni 2017


Folk Club Nummer 81 im Juni 2017 – Am Wasser gebaut

Die Themen, die das Organisationsteam des Folk Clubs jedem Abend auf den Weg gibt, sind mehr als Inspiration denn als Befehl gedacht. „Seen und Meere“ ist aber auch ein Thema, das in vielfältiger Weise in Liedern aufgegriffen wird. Es gab also genug Material für unsere Barden.
Eine echte Herausforderung für das Organisationsteam war aber, dass gleich zwei angekündigte „Featured Artists“ u.a. krankheitsbedingt abgesagt hatten und nun mit „Bordmitteln“ ein abendfüllendes Programm zusammengestellt werden musste. Euer Chronist kann euch versichern, es ist mehr als gelungen. Es erfüllt uns zudem mit großer Freude (und auch etwas mit Stolz), dass der Folk Club inzwischen so viele musikalische Mitstreiter mit wunderbaren Qualitäten hat und zudem meist einige Interessenten in der Warteschleife lauern, dass ein solcher Ausfall abgefedert werden kann und trotzdem ein schöner Abend gespickt mit musikalischen Edelsteinen zustande kommt.
Nun, los ging’s wie immer mit John Harrisons Urschrei und anschließend einem zünftigen Blues, der auch richtig gut zum Thema passte. Zu Jesse Fulles „San Francisco Bay Blues“ setzte John diesmal auch ein Kazoo ein, mit dem er ein formidables Solo hinlegte. Dem schrecklichen Attentat im Stadion von Manchester am 22. Mai 2017, bei dem so viele ahnungslose Jugendliche umgekommen waren, widmete er ein leidenschaftliches Gedicht gegen Fanatismus, der über Leichen geht, um seine fragwürdigen Ziele zu erreichen. Nicht minder düster war sein selbst verfasstes Lied „Flan“ über seinen Jugendfreund, der mit 15 Jahren erhängt aufgefunden worden war, und dessen Todesumstände nie aufgeklärt wurden. Der Junge war zu schnell erwachsen geworden und hatte eventuell auch Feinde. Es wird immer ein Geheimnis bleiben. Ziemlich doppeldeutig ist der Text des Blues „Candyman“ von Reverend Gary Davis. Mit der Bezeichnung kann ein Drogendealer gemeint sein, und der Sänger wünscht, ihn zu finden, weil er einen Trip braucht.
Paolo Pacifico, die musikalische Allzweckwaffe des Folk Club, hatte diesmal seinen Freund Charley Deanesi mitgebracht. Die Beiden treten zusammen als  Duo „Dos Equis“ auf. Gleich bei den ersten Tönen war der Saal gefangen von der professionellen Musik in bester Blues-Tradition. „Long Way Home“ ist eine Eigenkomposition der beiden und gibt Paolo und Charley Gelegenheit, ihre famose Beherrschung von Instrumenten und Stimmen zu zeigen. Eine kleine Anleihe bei Folkgrößen darf nicht fehlen, und so präsentieren Dos Equis ihre Version von „Big Yellow Taxi“ von Joni Mitchell. Zwei weitere Bluesstücke aus eigener Feder („That’s the Very Last Time“ und „Rainy Day Cross the Blues“) rundeten das kleine Programm ab – Großer Applaus vom Publikum. Die Beiden mussten nach ihrem Auftritt rasch weiter, um in der Godesberger Musikkneipe ELPIs CoWiCo aufzutreten. Vielen Dank an Dos Equis für ihren Einsatz und Dank auch an Lothar Prünte alias ELPI, den Wirt des CoWiCo, dass er den beiden einen Auftritt im Folk Club ermöglicht hatte. Lothar hatte auf seiner Website mitgeteilt, dass er die Zeit bis zum Erscheinen von Paolo und Charley mit eigener Musik überbrücken wolle.
Passend zum Thema des Abends hatte unser Bönnsch Plaat-Spezialist Gert Müller die Geschichte aus dem Neuen Testament gewählt, in der beschrieben wird, wie Jesus über das Wasser des Sees Genezareth wandelt und sich die Jünger fürchten. Bei der nicht ganz ernst gemeinte Gedichtversion der biblischen Geschichte seines Freundes Ferdinand Böhm konnte Gert wunderbar zeigen, dass er noch ein echter Muttersprachler ist. Die Geschichte in Böhms Version geht etwas anders aus, als wir sie aus drei Evangelien (Matthäus, Markus und Johannes) kennen. Gert bekam zum Applaus für seine herrliche Gedichtrezitation noch einen Extrabeifall für seinen achtzigsten Geburtstag, den er just an dem Tage begehen durfte.
Dass Alter kein Grund für das Stillsitzen ist bewies auch unser unermüdlicher Günter Peters, der einen kleinen Impro-Chor zusammengestellt hatte. Zu Günters Begeleitung am Klavier brachte der Chor Günters Verse zu Beethovens Chormusik zur Ode an die Freude zu Gehör – herrlich!
Der Chor ging, Günter blieb und hinzu gesellte sich Bob Marabito, der gern aus dem Fundus der amerikanischen Jazzstandards schöpft. „Can’t Give You Anything But Love“ von Jimmy McHugh und Dorothy Fields ist so ein Klassiker, bei dem Günter und Bob so richtig ihren Spaß hatten – das Publikum natürlich auch.
Melanie und Matthew waren zwei neue Gesichter im Folk Club und sogleich eine echte Entdeckung. Begleitet mit Ukulele (Melanie) und Gitarre (Matthew) sangen und spielten sie Jack Johnsons Lied „Only the Ocean in You“ – passend zum Thema. Melanies bezaubernde Stimme wurde wunderbar von Matthew begleitet, und Matthew stieg gefühlvoll bei den zweistimmigen Passagen ein. Schade, dass es nur ein Stück von den beiden zu hören gab. Vielleicht gibt es ja von Melanie und Matthew bei zukünftigen Folk Club-Abenden noch weitere Kostproben.
Einen kleinen Beitrag aus ihrer norddeutschen Heimat steuerte Jutta Mensing mit dem deftigen Lied vom „Saalhund“ bei. Damit war nicht der süße Hund gemeint, der der Musik des Abends still und andächtig lauschte (siehe Sabines Bilder). Es ging um die Seehunde, die den Nordseefischern den Fang streitig machten und daher bekämpft wurden. „Hal mi den Saalhund ut´n Stranne to Lanne! He hett mi all de Fisch upfräten, hett mi´t ganze Nett terräten. Hal mi den Saalhund ut´n Stranne to Lanne!“ lautet die erste Strophe. Ja, mit heutiger politischer Korrektheit hatten die alten Fischer noch nix am Hut. Wenn der „Saalhund“ datt ganze Nett terräten hett, dann war er dran.
Gedichte waren an diesem Abend sehr stark vertreten. Peter Deteren, auch ein Mitglied der Goove & Grufties-Truppe, die mit großem Erfolg seit Jahren die Rock ’n’ Rollator Show aufführt, trug sein Gedicht über die Liebesträume eines Klosterschülers vor – wunderbar!
Zurück zur Musik brachte uns Mario Dompke mit seinem Bärenlied. Das hatte zwar vordergründig nichts mit Seen und Meeren zu tun, aber da die Bären gern fischen, gibt es dennoch eine Verbindung zum Thema. Außerdem leben die beschriebenen Bären in Kanada, und um dahin zu kommen, muss man über den Ozean, so Mario augenzwinkernd. Nun das Lied beschreibt die Widersprüchlichkeiten, denn die bösen Bären, die die Mülltonnen leeren, müssen weg, aber gleichzeitig müssen Hunde her. Mit dem Lied „Wenn ich denn gestorben bin“ stellt Mario witzige und nachdenkliche Überlegungen über den Weg ins Jenseits an: „Freunde hört, der Tod ist nahe, denn kurz ist nur das Leben“ – phantasievoll und musikalisch wunderbar umgesetzt. Damit das Publikum auch merkt, dass es nicht zum Vergnügen da ist, steuerte Mario das Lied „Sam Stone“ von Jon Prine bei, das eindrücklich und bedrückend das Schicksal von Vietnam-Kriegsveteranen schildert. Die Männer waren vielfach traumatisiert, konnten sich nach ihrer Rückkehr nicht mehr im Alltag zurechtfinden und waren oftmals drogenabhängig. Mario wählte einen Text in deutscher Sprache, denn John Hurd, der später auftrat, hatte sich zufällig dasselbe Lied ausgesucht. So bekam das Publikum das Lied zweimal in unterschiedlicher Sprachfassung zu hören – großer Applaus für Mario.
Steve Perry und John Harrison wandten sich nach der Pause noch einmal dem Thema „Manchester“ zu. In dem von beiden abwechselnd vorgetragenen Gedicht ging es um das Selbstverständnis der so stolzen Stadt, die viel geleistet und viel zu bieten hat und deren Bewohner sich nicht unterkriegen lassen wollen und sollen – eine wunderbare Hommage an eine weltoffene und standhafte Stadt. Das Gedicht trägt den Titel „This is the Place“ und stammt von dem aus Manchester stammenden Dichter Tony Walsh alias Longfella. Das Gedicht hatte Walsh bereits 2013 verfasst und nun bei einer vielbeachteten Gedenkfeier am 23. Mai 2017 auf dem Albert-Platz in Manchester passend zu den schrecklichen Ereignissen am Vortage vorgetragen.
Eher aus der Kategorie „heitere Muse“ waren die Beiträge von Regine Perry-Mertens und Steve Perry. Mit  „Ein Schiff wird kommen“, das in Deutschland in der Interpretation von Lale Andersen in Riesenhit war (nur nannte man es damals nicht so) trafen sie das Thema auf die Zwölf, und das Publikum hatte eine wunderbare Gelegenheit zum Mitsingen. Natürlich kamen auch zwei von Steves geliebten Country-Songs an die Reihe: Ian Tysons „50 Years Ago“ ist ein echter Klassiker. Auch hier bekam das Publikum Gelegenheit, Regine und Steve beim Refrain zu unterstützen:

„And the sighing of the pines
Up here near the timberline
Makes me wish I'd done things different
Oh, but wishing don't make it so
Oh the time has passed so quick
The years all run together now
Did I hold Juanita yesterday“
 
Die Beiden setzten mit „Navajo Rug“, ebenfalls von Tyson, noch einen drauf. Kitsch pur, aber herrlich.
John Hurd, der Berichterstatter-Kollege vom englischsprachigen Musikportal 3SongsBonn wagt sich nicht allzu oft selbst auf die Bühne, hatte aber diesmal sogar drei Lieder mitgebracht. „Still in Love With You“ von Phil Lynott (Thin Lizzy) ist schon ein dicker Brocken, aber John meisterte das anspruchsvolle Stück mit wunderbarer Stimmbeherrschung und klarer, akzentuierter Gitarrenbegleitung. Auf Bongos begleitet von seinem Arbeitskollegen Juan Isaza, wagte er sich an einen weiteren Klassiker: „Tower of Song“ von Leonhard Cohen kam herrlich sonor rüber, nur bei der Zeile „I was born with a golden voice“ musste euer Chronist doch etwas schmunzeln, immerhin, auch der Sänger selbst konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Zu guter Letzt kam nochmals das traurige Lied „Sam Stone“ zur Aufführung. John Hurd holte sich dabei die zusätzliche Unterstützung von John Harrison (Mundharmonika) und Mario Dompke (Banjo). Die Vier (John Hu, Juan, John Ha und Mario) gaben dem Lied den vollen instrumentalen Begleit-Sound, so dass es einen ganz anderen Charakter bekam als zuvor allein von Mario gespielt und gesungen – dickes Lob und viel Applaus für John Hurd und natürlich auch die Begleit-Crew.
Ein inzwischen treuer Gefolgsmann des Folk Club ist Hermann-Josef Wolf alias „Fliege“ aus Köln. Fliege merkt man an, dass die Musik sein Leben bestimmt, und dass seine Intensität die Zuhörer mitreißt. Rein instrumental war Flieges bretonischer Tanz, den er mit seiner Ziehharmonika spielte. Viel Freude bereitete er mit „Ruby Tuesday“, in der Version von Melanie, das er als sein Lieblingslied bezeichnete. Das Publikum stimmte ein, und zusammen ergab es einen wunderbare Band. Herzlichen Dank an Fliege für seinen Beitrag zu diesem Abend.
Als letzte Gruppe erschienen Junodori alias Judith Nordbrock und Sergii Chernenko. Ja, was soll man sagen, eurem Berichterstatter blieb schlicht die Spucke weg. Tolle, von Judith selbstgeschriebene und komponierte jazzige Lieder, Judiths virtuoses Klavierspiel (auf unserem leider nicht perfekt gestimmten Klavier, seufz!), Judiths volle, geschmeidige und groovige Jazzstimme und dazu ein Sergii, dem man das Tenorsaxophon offenbar in die Wiege gelegt hatte. Die Beiden spielten perfekt aufeinander abgestimmt, Sergii fügte sich mit seinem Instrument organisch in Judiths Gesang und brilliert dann in seinen Solopassagen mit atemberaubenden Tonfolgen und beeindruckender Technik. Ja, und die Stücke? „Du machst mich krank!“ von Judith kommt ganz langsam daher und beschreibt dann ganz eindringlich, dass die Frau sich fürchterlich ärgert, wenn ihr Geliebter nicht auf ihre Anrufe antwortet – hat das nicht schon mancher erlebt? „My Man’s an Undertaker“ ist nicht aus eigener Feder sondern von Leroy Kirkland. Bekannt ist die Version mit der legendären Dinah Washington, doch Judith kann es mit ihr stimmlich locker aufnehmen. Beim wunderbar melancholischen Stück aus eigener Produktion „Up to You“ begleitete Sergii mit der Querflöte, die er ebenso perfekt beherrscht wie das Saxophon – ein Genuss. „I Won’t Wait“ stammt ebenfalls von Judith. Auch hier brilliert Sergii und entlockt seinem Saxophon schlagzeugartige Perkussions-Elemente – genial. Der Applaus kam entsprechend mit Donnerhall, und die Beiden wurden nicht ohne eine Zugabe entlassen. „No Mistakes on the Dancefloor“ war dann die Belohnung für die Bettelei des Publikums – erneut ein Kracher. Ein Besuch der Konzerte von Junodori kann man wirklich empfehlen. Leider sind sie in der nächsten Zeit eher weiter weg tätig. Hier in der Gegend weist ihr Auftrittskalender erst im Oktober wieder Konzerte in Leverkusen auf. Vielleicht haben die beiden ja einmal wieder Lust auf ein kleines Gastspiel im Folk Club.
Nun, gut abgefüllt mit den obligatorischen Glückshormonen konnte sich das Publikum wieder auf den Heimweg machen, aber nicht ohne zuvor noch den traditionellen Rausschmeißer, den ollen Schotten Jock Stewart, besungen zu haben.
Auf Wiedersehen bei der 82. Ausgabe des Folk Club Bonn am 7. Juli 2017, diesmal ausnahmsweise im Club Galicia de Bonn e.V., Südstraße 124, Bonn-Bad Godesberg (Friesdorf). Euer Organisationsteam empfiehlt all denen, die einen Sitzplatz ergattern wollen, sehr zeitig zu kommen. Der Club Galicia macht bereits um 17.00 Uhr auf. Meist ist es kurz danach rappelvoll, denn die Küche des Clubs ist ausgesprochen beliebt.
Das Thema des Folk Club-Abends im Juli lautet „Kreis- und Additionslieder“.
Für alle, die sich fragen, was damit gemeint sei, folgende Erklärung: Bei Kreisliedern kehrt der Text am Ende wieder zum Anfang zurück. Ein bekanntes Lied dieser Art ist „Ein Loch ist im Eimer“.
Additionslieder zeichnen sich dadurch aus, dass jede Strophe das Vorige wiederholt und um ein weiteres Element ergänzt wird. Ein schönes Beispiel hierfür ist das italienische Lied „Come si pianta la bella polenta“, mit dem die Entstehung der beliebten Polenta aus dem Mais beschrieben wird, der gesät wird, der wächst, der geerntet, geschrotet, gekocht und gegessen wird und der zuletzt auch noch gut schmeckt. Die letzte Strophe ist naturgemäß meist ein wenig lang. Kinder lieben solche Lieder, aber vielleicht auch Erwachsene. Spaß kennt kein Alter.

Sonntag, 25. Juni 2017

Sabines Bilder vom Folk Club Nr. 81 am 2. Juni 2017

John Harrison


Dos Equis alias Paolo Pacifico und Charley Deanesi



Gert Müller präsentiert Geschichten op Bönnsch Plaat


Steve Perry und Gert Müller

Günter Peters




Günter Peters und Bob Marabito


Matthew und Melanie


Jutta Mensing besingt den "Saalhund" (Seehund)


Peter Deteren mit einem eigenen Gedicht über die Liebesträume eines Klosterschülers



Mario Dompke


Regine und Steve



John Hurd

John zusammen mit Juan Isaza und Marion Dompke

Der findet den Folk Club tierisch gut

Fliege alias Hermann-Josef Wolf


Junodori alias Judith Nordbrock und Sergii Chernenko





Ende des Abends mit "Jock Stewart"